Treten an Ort? Gastbeitrag von Kurt Widmer

In seinem Gastbeitrag analysiert mein Grosspapi Kurt Widmer (SP Grossrat von 1969 bis 1976) die Ziele der SP Grossratsfraktion von 1973 und heute. 

 

Politische Veränderungen dauern oft sehr lange! Mein Enkel Nico Zobrist kandidiert im Herbst für den Grossen Rat des Kantons Aargau. Er führt damit eine beim Urgrossvater begonnene Tradition nach dem Grossvater und seiner Mutter weiter.

Im Gespräch mit ihm habe ich mich an die Wahlplattform der Sozialdemokratischen Partei des Kantons Aargau von 1973 erinnert. Sie beginnt mit der Feststellung: «Das Überleben der kommenden Generation und eine wirkliche Verbesserung unserer Lebensbedingungen ist nur möglich, wenn grundlegende Veränderungen in unserer Gesellschaft stattfinden». Leider müssen wir feststellen, dass viele der bald 50 Jahre alten Forderungen nach wie vor nicht erfüllt sind. So etwa

- Die Finanzierung der Umweltschutzanlagen durch die primären Verursacher,

- Die Verpflichtung der Gemeinden zu einer aktiven Bodenpolitik,

- Finanzielle Beteiligung der Wirtschaft (Infrastruktursteuer) an den sich stellenden

Aufgaben der Allgemeinheit,

- Kredit- und Zinserleichterungen für den Wohnungsbau zugunsten von Mietern mit

kleinen und mittleren Einkommen,

- Verwirklichung einer Volkspension, die allen Menschen ein Leben in Würde und

Sicherheit garantiert,

- Einheitlicher Gemeindesteuerfuss in sämtlichen aargauischen Gemeinden,

- Gleicher Lohn für Alle für gleichwertige Arbeit,

- Eine Instanz, die Allen hilft, Recht zu suchen und zu finden.

Eigentlich sind dies alles Punkte, die unser Aller Zusammenleben erleichtern würden. Sie als «sozialistische» Forderungen abzutun greift zu kurz. Wir müssen heute feststellen, dass sich die politische Landschaft im Kanton Aargau sehr stark verändert hat. Die Rechtslastigkeit widerspiegelt sich in den Erfolgen der entsprechenden Parteien. Das hat dazu geführt, dass der Kanton Aargau in Sachen Sozialpolitik in der Schweiz einen der hintersten Ränge belegt. Darauf kann er wahrlich nicht stolz sein. Dabei sind die meisten Stimmbürgerinnen und Stimmbürger des Kantons lohnabhängig. Daraus abzuleiten, dass sie sich damit automatisch für ihre ureigenen Anliegen einsetzten, entpuppt sich bei Abstimmungen und Wahlen oft als Trugschluss.

Nicht der Mensch steht heute im Mittelpunkt, sondern der Profit, Einer für Alle, Alle für eine bessere Gesellschaft gilt offenbar nicht.

Der Kampf für einen solidarischeren und ökologischeren Aargau muss weitergehen. Nico setzt sich dafür ein, davon bin ich überzeugt!

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Wahlplattform der SP Aargau von 1973
Wahlplattform 1973.pdf
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Flyer der SP Bezirk Zurzach von 1973