Die Schweiz und BC könnten von einander lernen

Zehn Monate lebte ich auf der anderen Seite des Atlantiks, an der Westküste Nordamerikas, in Vancouver. Ich bin Nico Zobrist, besuche normalerweise die Kantonsschule in Aarau und habe gerade ein Austauschjahr absolviert. Hier nun mein dritter Bericht aus dem fernen Kanada.

In Vancouver habe ich eine öffentliche „Secondary School“ besucht und bei einer Gastfamilie gelebt. Wie ein Grossteil der nordamerikanischen Bevölkerung, waren auch die Vorfahren meiner Gastfamilie Einwanderer*innen., ursprünglich aus Indien. Vancouver ist sehr multikulturell, 47 Prozent der Bevölkerung gehören einer sogenannten sichtbaren Minderheit an, die Stadt weist auch die höchste Rate an interkulturellen Ehen in Kanada auf.

Den Kontrast zur Grossstadt findet man in Vancouvers vielen, riesigen Stadtparks, nebst dem weltbekannten Stanley Park, bieten auch der grosse Pacific Spirit Regional Park oder der Queen Elizabeth Park sehr viel. In den Wohnquartieren von Vancouver gibt es viel Natur: Bäume, Grünflächen und auch Tiere habe ich oft gesehen. Fast jeden Morgen begleiteten mich Eichhörnchen zur Schule, in der Dämmerung begegnete ich mehreren Kojoten und Waschbären. Früher war die Stadt ein Mekka der Hippies, auch Greenpeace wurde in Vancouver gegründet und noch heute liegt die Natur vielen Menschen am Herzen. Nur eine halbe Stunde vom Stadtzentrum liegen die Berge Cypress Mountain, Grouse Mountain und Mount Seymour, im Winter bin ich dort Ski gefahren, im Sommer gibt es viele Mountainbiker*innen und Wanderer*innen. Nur eine Stunde entfernt, etwa in der Mitte zwischen Vancouver und Whistler, liegt auch die Kleinstadt Squamish. Im Winter startete ich von Squamish aus auf Skitouren, im Sommer ging ich dort klettern. Vor dem Nordamerikanischen Festland liegt auch Vancouver Island, Vancouver Island ist ganze 32’134 Quadratkilometer gross und die grösste Insel der Westküste von Amerika! Mit der Fähre erreicht man Vancouver Island in etwa 2 Stunden, besonders gefallen hat mir auch ein Ausflug nach Gabriola Island, einer winzigen Insel zwischen dem Festland und Vancouver Island.

Auch die Innenstadt von Vancouver ist fast vollständig von Wasser umgeben, es gibt verschiedene Fähren und viele Brücken zwischen Innenstadt und Wohnquartieren. Dieses Wasser ist zwar wunderschön, stellt Vancouver mit dem steigenden Meeresspiegel aber auch vor grosse Gefahren. Da Vancouver im sog. „Ring of Fire“ und nahe einer tektonischen Plattengrenze liegt, gibt es relativ viele, schwache Erdbeben, vor einem extrem starken Erdbeben fürchtet man sich schon lange.

Noch vor 10 Monaten kannte ich niemanden, glücklicherweise konnte ich in diesem Jahr viele neue Freund*innen gewinnen, auch in den letzten Monaten durfte ich mit diesen extrem viel unternehmen. Anfangs hatte ich Heimweh, dieses Heimweh wich dann aber vielen neuen Erfahrungen, Lebenslehren und viel Spass. Anfangs Juni war es dann soweit und ich verabschiedete mich von all meinen neuen Freund*innen, um via USA zurück in die Schweiz zu kommen, der Abschied erwies sich als schwieriger, als gedacht.

Zuhause angekommen bin ich, trotz Jetlag, relativ gut, jetzt lebe ich mich wieder in den Alltag in der Schweiz ein. Aufgefallen ist mir z.B., dass Wasser bei uns nicht selbstverständlich schon gratis auf dem Restauranttisch steht, so wie ich es in Nordamerika erlebt habe. Auch die soziale Mischung in Quartieren scheint hier glücklicherweise grösser zu sein, Städte sind freundlicher für Fussgänger*innen und Velofahrer*innen. Ich denke die Schweiz, wie auch British Columbia könnten von einander viel lernen. Wir könnten z.B. den Umstieg vom Auto aufs Elektroauto beschleunigen, besser mit Grossraubtieren zusammenleben, Vielfalt feiern anstatt zu bekämpfen und British Columbia sollte den ÖV ausserorts ausbauen, Sozialsysteme stärken und Städte vom Verkehr entlasten.

Ich hoffe, sie konnten durch meine drei Artikel an meinem Austauschjahr teilhaben, für Fragen bin ich auf meiner Websitewww.nicozobrist.ch  erreichbar.