100 Tage!!!!!!!!!!

Seit Anfang September lebe ich nun in Vancouver, der kanadischen Metropole am Pazifik. In Vancouvers Metropolregion leben knapp 2.5 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner, das sind mehr als 600 mal so viele Leute wie in meiner Heimatgemeinde Unterentfelden. Ich bin Nico Zobrist, 17 Jahre alt, normalerweise Kantischüler und in meinem Austauschjahr in Kanada. 

Hier besuche ich 5 Tage in der Woche die öffentliche „Sir Winston Churchill Secondary School“ und ich wohne in einer Gastfamilie nahe der Universität.

 

Um diesen Austausch möglich zu machen, musste ich mich bereits vor ungefähr einem Jahr bei einer Austauschorganisation anmelden, eine Stadt und Schule auswählen und mein Visum organisieren. In Vancouver war ich bereits 2017 während den Sommerferien, ich habe die Stadt wegen der tollen Kombination von Bergen, Meer und Grossstadt ausgewählt.

 

Am 28. August war es dann soweit und zusammen mit ungefähr 20 anderen Schweizer*innen im selben Alter bin ich nach Toronto geflogen. Toronto ist die grösste Stadt Kanadas und in vier Tagen erkundeten wir die Hauptattraktionen inklusive der nahe gelegenen Niagara-Wasserfälle. 

 

In Vancouver angekommen war erst mal vieles ungewohnt, trotzdem habe ich ziemlich rasch Kontakt mit anderen Austauschschüler*innen aus der ganzen Welt hier in Vancouver gefunden und zusammen haben wir extrem viel erlebt. Gemeinsam haben wir die etlichen Teile von Vancouver besichtigt, Essen getestet, Museen und Attraktionen abgeklappert. Vancouver wurde vor allem durch internationale Anlässe wie die Olympischen Winterspiele 2010 oder die Expo 86 bekannt. Das berühmte Segeldach des „Canada Place“ oder die „Skytrain“ genannte Metro sind beispielsweise für die Weltausstellung gebaut worden. In Kanada darf man bereits mit 16 Jahren Auto fahren, in der Stadt sehe ich das jedoch überhaupt nicht als Notwendigkeit und mit dem öffentlichen Verkehr bewege ich mich meist schnell und umweltfreundlicher in der Stadt fort. 

 

Mit dem Bus fahre ich jeweils in die Schule, diese beginnt erst um 8:40 und endet schon um 15:00. Die Schule ist in Kanada nicht in allen Provinzen und gar Schuldistrikten gleich organisiert, ich besuche im Schuldistrikt von Vancouver nur 8 verschiedene Fächer. Abwechslungsweise haben wir einen Tag mit den ersten vier Fächern und dann einen mit den anderen Fächern. Es gibt extrem viele Fächer zur Auswahl, ich besuche z.B. ein Fach zum Thema Sozialer Gerechtigkeit, es gibt Töpfern und ein Kollege geht in eine Gitarrenklasse. Die Stunden sind mit 80 Minuten viel länger als an der Kanti im Aargau, wie in Filmen gibt es jeweils Informationen über Lautsprecher und ich haben schon mehrere Evakuierungs- und Terrorübungen erlebt. Vancouver liegt am sogenannten „Ring of Fire“ und ein riesiges Erdbeben wird schon lange erwartet.

 

In Downtown Vancouver gibt es extrem viele Hochhäuser, internationale Konzerne, Banken, Restaurants, Luxusläden und einen Trump Tower. In den letzten Jahren und Jahrzehnten gab es einen grossen Wirtschaftsboom, damit nahe verbunden sind aber auch sichtbare und unsichtbare soziale Probleme. Wohnungspreise sind extrem hoch, 100’000 Menschen sind von Obdachlosigkeit gefährdet und 2’000 Leute müssen auf der Strasse, vor den vorher genannten Luxusläden und Hochhäusern schlafen, an der East Hastings Street gibt es eine grosse, offene Drogenszene.

 

Die Lebensqualität ist ansonsten hoch und Vancouver wird immer wieder zu den weltweiten Städten mit der höchsten Lebensqualität gewertet. Diese Lebensqualität spüre ich, es gibt viele kulturelle Angebote und Freizeitaktivitäten und Vancouver ist für eine Grossstadt sehr sicher. 

 

Kanada ist noch immer eine parlamentarische Monarchie und Königin Elisabeth die Zweite ist das nominelle Staatsoberhaupt. Bereits vor spätestens 12’000 Jahren begann die Besiedlung Kanadas von den sog. „First Nations“, um 1600 begannen Europäer mit der Kolonialisierung. 1867 gründeten drei britische Kolonien die kanadische Konföderation, eine der Kolonien gehörte davor zu Frankreich. Der Pelzhändler Simon Fraser erreichte die Region um Vancouver 1808 als erster Europäer auf dem Landweg, bereits 1791 segelte der spanische Kapitän José María Narváez entlang der Küste. 

 

Ans Leben bei meiner Gastfamilie gewöhne ich mich immer besser, ich darf mit ihnen fast überall hin mitgehen und ich spreche viel Englisch. Den ersten Monat lebte ich aber bei einer anderen Gastfamilie, dort fühlte ich mich nicht so wohl und mein erster Monat war nicht so toll wie jetzt.

 

Jetzt ist schon fast ein Drittel meines Austausches vorbei, bis Ende Juni werde ich in Vancouver sein. Ich konnte schon jetzt viel Englisch, über die Kultur, über andere und mich lernen und meinen Horizont erweitern, in den nächsten zwei Dritteln wird das sicher weitergehen.